Südfrankreich 2025 von Bożena Gabriel

Vive la France, wir fahren hin: Gisela, Maria, Susanne und ich, die Skipperin. Nach 4 Tagen wunderschönen Landurlaub in und um ANTIBES machen wir uns auf den Weg zum GOLF SAINT JOUAN, wo unser Boot eine Jeanneau Sun Odyssey 349 liegt.

Die Bootsübernahme: Nach dem wir die Checkliste am Handy abgearbeitet haben, kommt David (Vercharterer) um die letzten Fragen zu beantworten und eine Unterschrift zu holen. Übrigens sehr nette Leute bei SEAWAYS, check-in kompetent, auf Englisch, unkompliziert.
Dafür die Verproviantierung gestaltet sich etwas holprig. Der Parkplatz direkt vor dem Hafen ist aufgrund eines Sportfestes geschlossen, das Geschäft etwas weit, also Taxi und nachher Schleppen. Es würde sich anbieten, bei der Charterfirma zumindest die Getränke vorher zu bestellen. Aber was soll's, die Grundverpflegung haben wir und die eine oder andere Flasche Rosé auch.
Der Generalkurs ist Richtung Westen, wir wollen zu dem Nationalpark bei ÎLES D'HYÈRES auf die Insel PORT-CROS segeln. Schauen wir was das Wetter zulässt.

Am ersten Tag passen wir auch gleich die Route dem Wetter an und nutzen den ruhigen Tag (und die Nacht) um in der PAMPELONNE-Bucht zu übernachten. Wobei ich hätte meine Freundinnen warnen sollen, es ist nicht die idyllische, ruhige Bucht, die man sich vielleicht vorstellt. Es ist die berühmte Party-Palage wo die Dichte an Motoryachten tagsüber sehr groß ist und die Lokale dicht an dicht am Strand liegen. Aber wir wollen ja was sehen oder? Und tatsächlich, wir müssen nach einem geeigneten Platz zum Ankern suchen und die Musik gibt es lange in die Nacht. Dafür ist das Schwimmen herrlich und die Motoryachten sowie auch die Hubschrauber sind am Abend weg und beste Voraussetzung zur Beobachtung der Mondfinsternis. Der Sonnenaufgang belohnt uns für unsere Entscheidung. Es ist einfach schön, wie Gisela sagen würde.

Der nächste Schlag – Ort LE LAVANDOU an der Küste. Leider unter Motor und Genua, da der Wind nur bei 6-8 kn liegt. Eine telefonische Reservierung in der Marina kann nur am Tag der Ankunft gemacht werden, also telefoniere ich mit den Damen im Hafenbüro nochmals: wir sollten uns per Fund melden wenn wir vor der Hafeneinfahrt sind, es wird uns wer abholen und uns den Platz zeigen. Und zu meinem Erstaunen alles hat funktioniert mit 70 % Französisch und 30 % Englisch. Wobei die Damen im Büro haben sehr lustig mit uns gehabt, mit meinem Französisch und unserem Boot, das WISKIKI heißt. Wir lassen es uns gut gehen, schlendern bis zu einer Bar (Essen gehen in Frankreich erst nach 19 Uhr). Beim Spazierengehen in der kleinen Altstadt, entdecken wir eine Bäckerei – perfekt fürs Frühstück!
 
In LE LAVANDOU entscheiden wir endgültig, dass wir nicht auf die Inseln segeln. Ab Mittwochnachmittag sind bis 30 kn Wind angesagt. Also wir kehren um, planen einen Reservetag im Hafen ein. Das Ziel der nächsten Etappe ist SAINT-TROPEZ. Unterwegs müssen wir Ausschau nach Treibholz halten. Nach den starken Regenfällen der letzten Woche schwimmt einiges im Wasser, auch große Baumäste. Meine Herausforderung des Tages heißt jedoch, einen Liegeplatz im Hafen in St. Tropez zu reservieren. Die Hafenbücher mit Kontakttelefon haben wir zu genüge, es hebt nur niemand ab. Laut meinen Informationen funktioniert NAVILY in Frankreich gut. Ich versuche auf diesem Wege, scanne die Bootspapiere mit meinem Handy (hatte davor keine Ahnung, dass mein Handy das kann)  und sende die Anfrage. Die Bestätigung haben wir innerhalb von 30min. Wir haben einen Platz. Es kostet 84 EUR für die Nacht. Gebucht!

In der Bucht vor St. Tropez liegen einige Luxus-Motoryachten. Die größte Motoryacht, die wir gesehen haben: 143 Fuß (rd. 44 m). Man schaut sich die Boote wie eine Sehenswürdigkeit an, unser Ding ist das aber nicht. Wir sind gespannt auf die berühmte Stadt.
Im Port St. Tropez wieder die gleiche Prozedur: vor der Hafeneinfahrt warten und melden, man wird man abgeholt und begleitet. Et voilà, wir liegen in St. Trop fest. Champagner bitte!
Am Abend gehen wir in die Stadt. Im Vieux Port liegen hauptsächlich Luxus-Motoryachten, die fast überdimensioniert für das kleine Städtchen wirken. Nur eine Segelyacht ca. 60-70 Fuß ist dabei.
Wir schlendern in den Gassen und beenden den Abend standesgemäß bei einem Kir Royal ;)

Und das war auch das Saint Tropez. Am nächsten Morgen starten wir zeitig los und machen einen kleinen Umweg zu der  „Klein-Venedig“ - PORT GRIMAUD. Es ist eine künstlich geschaffene Wohnanlage mit Kanälen, Liegeplätzen vor dem Haus, Lokalen etc. Vielleicht Chartern wir das nächste Mal in der nahegelegenen Marina DES COGOLIN, dann geht sich auch eine Besichtigung am Abend aus. Wir winken den Luxusbooten in Gedanken und verabschieden uns von St. Tropez. Unser Ziel heute ist SAINT-RAPHAËL.  

Im VIEUX-PORT DE ST. RAPHAËL bekommen wir keinen Platz. Die nette Dame am Telefon schickt uns zu den neuen Marina PORT DE SANTA-LUCIA. Dort geht die Reservierung per Navily an diesem Tag leider nicht und am Telefon wird nur Französisch gesprochen, aber auch das ist Mittlerweile kein Problem. Wir warten ab, bis wir in das Hafenbecken einfahren dürfen. Mit Windböen bis 18kn und mit Hilfe der Franzosen, parken wir unsere WISKIKI mit Doppelruder, aber ohne Bugstrahl, am Fingersteg endlich ein. Am Abend essen wir am Bord, nicht essen - „Dinieren“ müsste man sagen, mit Vor- und Hauptspeise mit Weinbegleitung und einem Digestif zum Abschluss. Der Wind wird immer stärker, uns im Hafen, geht es aber ausgezeichnet.

In der Früh haben wir bis 32 kn in der Marina, wir sind froh über unseren Landtag, gehen in das kleine Louis de Funès-Museum, schlendern in der Stadt, besichtigen das Archäologische Museum, essen in einem Bistro und lassen uns bei einem Prosecco und Kir Pamplemousse (Weißwein mit einem Schuss Grapefruitsirup) gut gehen. Übrigens, wenn man in Frankreich einen „Spritzer“ bestellt, bekommt man einen Aperol-Spritz. geschätzte 0,4l, fragt Gisela! :)))  

Nun ist dann auch schon Freitag. Wir laufen in  SAINT-RAPHAËL aus und hoffen, dass der noch immer vorherrschende Wind und die Wellen, hinter dem Kap nachlassen. Leider stimmt an diesem Tag keine Wetterprognose diverser App's und die Wellen und der starke Wind begleiten uns fast in die Bucht vor CANNES. Wenn sich noch die Welle von einer vorbeifahrenden Motoryacht dazugesellt, schaukelt es wie im Wiener Prater. Erst gegen Mittag wird es ruhiger.
Und dann ist auch schon der bekannte Vieux Port in Golf St. Jouan in Sicht. Wir sind gut und sicher am Ziel, reicher an Erfahrungen und mit vielen wunderschönen Bildern von der Reise, die uns noch lange erhalten bleiben.  

 

Route:
1.    Samstag: Golf St. Jouan, Bootsübernahme ab 1500, Einkaufen
2.    Sonntag: Golf St. Jouan – Pampelonne-Bucht, 29 nm
3.    Montag:  Pampelonne-Bucht – Le Lavandou, 18 nm
4.    Dienstag:  Le Lavandou – St. Tropez, 25 nm
5.    Mittwoch: St. Tropez – St. Raphaël, 21 nm
6.    Donnerstag: St. Raphaël, Hafentag
7.    Freitag:  St. Raphaël – Golf St. Jouan, 19 nm, Check-out

 

Literatur uns sonstiges:
Charterfirma vor Ort: Seaways Yachting; Ein detailliertes Hafenbuch und Seekarten waren am Bord
Kartographischer Hafenführer Frankreich. Frankreichs Mittelmeerküste von Menton bis Cap Cerbère, Editioni Il Frangente, 2023
NAVILY App
Französisch-Kurs ;))

 

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