Der Vorschlag von Bożena, doch einmal in „Holland/IJsselmeer“ zu segeln, fand sehr rasch großes Interesse. Die Crew war bald zusammengestellt. Skipperin Bozena, Hedwig Co., Monika, Kasia und Christine sind fix. Als letztes Crewmitglied (da Dagi in der Woche nicht konnte) Veronika - die in ein kühleres Land, neues Revier und keine Aufgabe wollte.
Eine längere Zeit der Recherche, wie es denn im IJsselmeer zu segeln sein wird. Immerhin ist das Wasser dort gar nicht tief und Schleusen gilt es auch zu bewältigen. Die umfassenden Informationen im Internet haben unsere Reiseplanung immer konkreter werden lassen und am 20. Juni 2026 ging es los.
Mit dem Flugzeug bis Amsterdam und dann eine knappe Stunde mit dem Taxi (Transfer von Monika organisiert) nach LELYSTAD, wo unser Boot, die PAPAJOE schon startbereit zu übernehmen war. Das Boot, eine Bavaria 37 BJ 2019 war leider mit einem 2m Kiel im flachen Ijsselmeer eher herausfordernd. Von der deutschen Charterfirma Mittler Yachting perfekt gewartet und betreut, umfangreiches Kartenmaterial, Plotter (und Navionics am Handy) am neuesten Stand – alles bestens wie im Norden üblich. Nach Gesprächen mit dem Vercharterer war die bereits davor ausgearbeitete Route bald bestätigt.
Von LELYSTAD brachte uns die erste Etappe nach ENKHUIZEN, und auch die erste Schleusendurchfahrt hatten wir problemlos geschafft. Da wir ja einen Urlaubstörn unternahmen, gab es dort gleich einen segelfreien Tag, weil starker Wind angesagt war. Die Kanäle entlang wandernd, konnten wir erste Eindrücke von holländischem Leben gewinnen und köstliches Essen genießen. Für einen Teil der Crew ging es mit dem Bus nach Edam und Hoorn per Zug und Bus. Edam sehenswert, zuckersüß mit den kleinen Häuschen und vielen Kanälen und natürlich viel viel Käse (Käsemuseum, Käseshops, Waagenhaus). In Hoorn haben wir uns vor der Statue des Namensvaters des Cap Hoorns fotografieren lassen. Für unsere Badehungrigen blieb am Abend auch genug Zeit, für Köpfler war das Wasser jedoch nicht tief genug.
Am nächsten Tag ging es wieder weiter nach STAVOREN, es war auch gutes Segelwetter. Auf der Fahrt waren unzählige alte Schiffe zu sehen, Dreimaster, Rahsegler und ganze Schwärme Kormorane, sozusagen gutes Fotomaterial. In der sehr gut ausgestatteten Marina, ganz nahe zum Ort, war auch ein weiterer Tag mit einer Radrundfahrt der Crew geplant. Der Sonnenuntergang beim Abendspaziergang auf dem Damm mit Blick in das weite Meer hat auch an stimmungsvolle Abende an anderen Segelplätzen erinnert.
Weiter ging es am nächsten Tag nach URK, einer Stadt mit regem Strandleben und Bootsverkehr. Der Leuchtturm ist ein markanter Punkt, der schon bei der Hafeneinfahrt zu einem Spaziergang dorthin am Abend einlädt. Am Nachmittag noch Schwimmen am Stadtstrand und bewundern von Holländischen Mamas mit zwei Kindern am Fahrrad (eins vorne, eins hinten) und einer Strandliege als Rucksack umgehängt. Großartig! Überhaupt viel Radverkehr aber alle sehr entspannt, niemand klingelt, huppt o.ä. In gemütlicher Runde planen wir noch die Rückfahrt nach LELYSTAD am nächsten Tag, es wartet ja wieder eine Schleusenfahrt auf uns.
Mit guter Laune geht es zurück nach LELYSTAD, warten vor der Schleuse hinter einem Frachter, der dann doch im Retourgang zurückschiebt, ohne jegliches Signal (!). Die Schleuse wird schon routiniert gemeistert und wir kommen gesund auf unserem Bootssteg in der Marina an. Natürlich bleibt noch Zeit für ein gemeinsames Foto, bevor wir unsere Taschen packen, denn bald in der Früh geht es zurück zum Flughafen.
Resumee von Veronika: Es war so ziemlich das schwierigste Revier, auf dem ich unterwegs war, alle nur möglichen Seezeichen und Untiefen, Wasserstraßen, Schleusen mit kleinen und sehr großen Frachtschiffen und überall Windparks. Das Sehenswerteste waren die Jahrhunderte alten Orte, mit all den Grachten voller Boote jeglicher Größe und Bauart. Wir waren alle begeistert vom Ijsselmeer und von neuen Segelerfahrungen!
Route:
• LELYSTAD – ENKHUIZEN, 17,4 nm
• ENKHUIZEN – Ausflug nach EDAM und HOORN
• ENKHUIZEN – STAVOREN, 11,8 nm
• STAVOREN: Radtour nach HINDELOPPEN (wunderschöner Ort) und LAAKSUM
• STAVOREN – URK, 18,4 nm
• URK – LELYSTAD, 14,6 nm
Literatur für die Planung:
Jan Werner, Holland 2. Das Ijsselmeer und die nördlichen Provinzen der Niederlande. Törnführer, Delius Klasing, 2026
Nützliches:
Vorteilhaft ein Boot mit 1,6m Tiefgang. Mit 2m Tiefgang sind wir nicht in die Kanäle gefahren.
Das Ijsselmeer ist ein Binnengewässer, beim Funk Kanal 10 (Kanal 16 funktioniert natürlich auch).
Die Wartezeiten bei den Schleusen sind außerhalb der Ferienzeit nicht sehr lang 10-20 Min. Vor den großen Schleusen gibt es Wartebereiche zum Festmachen. Bei den Schleusen in ENKHUIZEN und LELYSTAD ist eine Anmeldung nicht erforderlich. In ENKHUIZEN ist die östliche Schleuse für die Sportboote vorgesehen (ist mit „Pleasure craft“ gekennzeichnet).
Von Christine, Veronika und Bożena
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